Chronik

Karneval in Mülhofen – ein kleiner Rückblick von 1885 bis 2026

zusammengestellt von Rolf Trennheuser

Zur Einleitung:

Dieser kleine Rückblick auf die die Geschichte des Karnevals in Mülhofen basiert auf Informationen aus der Bendorfer Zeitung seit 1885 sowie der Rhein-Zeitung und anderen Presseorganen, die Berichte über Mülhofen veröffentlichen. Ferner aus der Chronik der Karnevalsgesellschaft „Ganz denewer“ Mülhofen und den Erinnerungen des Verfassers sowie zahlreichen Informationen, die aus mündlichen Erzählungen älterer Mülhofenerinnen und Mülhofener entnommen sind. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soweit er auf Erinnerungen und Erzählungen beruht, auch keinen Anspruch auf vollständigen Wahrheitsgehalt. Dennoch sind Erinnerungen allemal besser als das Vergessen unserer Traditionen.
Karneval, was ist das eigentlich? Als Karneval bezeichnet man laut Wikipedia die Bräuche, mit denen die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit gefeiert wird. Oder viel einfacher: „Karneval is e Jeföhl“ und was für ein schönes Gefühl.
Die frühesten Ursprünge des Karnevals werden vor 5.000 Jahren in Mesopotamien vermutet und führen über römische Vorläufer und über mittelalterliche Gebräuche zur Austreibung des Winters und Ausschweifungen vor Beginn der Fastenzeit direkt ins Herz des Karnevals, das Rheinland.
Die Gründung von karnevalistischen Dachorganisationen zur Regulierung des karnevalistischen Treibens 1823 in Köln und 1838 in Mainz dürfen wohl als Geburtsstunde dessen bezeichnet werden, was wir heute als Karneval kennen und lieben.
Wie sich der Karneval und insbesondere die Karnevalsgesellschaft in Mülhofen entwickelt hat, davon handelt dieser kleine Rückblick.

Mülhofen im Mai 2026

Rolf Trennheuser

All das, was in der Folge hier beschrieben wird, hätte sich nicht ereignet, wenn Mülhofen nie gegründet worden wäre. Um die Erinnerung daran zu bewahren sei diesem Rückblick die Sage von Mülhofen zur Erinnerung vorangestellt.

Die erste Erwähnung karnevalistischer Aktivitäten in Mülhofen findet sich in den oben genannten Quellen in einer Ausgabe der Bendorfer Zeitung aus dem Jahr 1885. Ein Inserat weist darauf hin, dass im neuerbauten Saal der Gastwirtschaft Schäfer eine große Tanzmusik jeweils am Fastnachtssonntag und -dienstag stattfindet.
Leider sind einige Jahrgänge der Bendorfer Zeitung aus dieser Zeit im Archiv der Stadt Bendorf nicht vorhanden. So findet sich der nächste Hinweis erst im Jahr 1890, wo bereits zwei Gastwirtschaften Maskenbälle und „carnevalistische Tanzvergnügen“ in Mülhofen bewerben.
1897 findet die Übernahme und Eröffnung des Hotel-Restaurants Kaiserhof am Karnevalssonntag mit Tanzmusik und Schlachtfest statt.
Im gleichen Jahr bedankt sich die Carnevalsgesellschaft „Du ahnst es nicht“ aus Engers in einem Inserat bei den Bewohnern von Mülhofen für die Teilnahme am Engerser Maskenzug.
Im Jahr 1900 bewerben die Gaststätten Schneider und Schäfer, an die sich auch heute noch manche Mülhofener erinnern können, karnevalistische Tanzmusik-veranstaltungen.
Die Bendorfer Casinogesellschaft veranstaltet eine „Costümfahrt“ die durch Bendorf, Mülhofen, Engers und Heimbach-Weis nach Rommersdorf führt und an der neben einem Prunkwagen mit einem 18 Mann starken Musikcorps als Buren verkleidete Reiter und ein weiterer Wagen teilnimmt der ebenfalls südafrikanische Buren zeigt.
Die Bendorfer Zeitung berichtet im Jahr 1904 ganz kurz über Aktivitäten einer „Mülhofener Carnevalsgesellschaft“ die in einer Zeitungsanzeige auch selbst für eine 1. Damen-Sitzung mit Tanzkränzchen am 24.01.1904 in der Gastwirtschaft Böhm Werbung macht. Ebenso bewirbt sie eine weitere „Große Damen-Sitzung“ im Saal der Gaststätte Schneider sowie einen Masken- und Bohnenball am Rosenmontag und sogar eine Kappenfahrt in Mülhofen am Karnevalsdienstag.
Da für das Jahr 1905 keine Ausgaben der Bendorfer Zeitung vorliegen und in späteren Jahren keine Hinweise mehr auf eine „Mülhofener Carnevalsgesellschaft“ zu finden sind, handelt es sich hier scheinbar um einen sehr kurzlebigen Vorläufer unser heutigen Karnevalgesellschaft oder um einen Scherz.
Bis 1914 setzen sich die karnevalistischen Tanzveranstaltungen fort, wobei neben den örtlichen Gastwirten auch die Gesellschaft „Fidelio“, die Schützengesellschaft Mülhofen und ein Kegelclub als Veranstalter agieren. Dann setzt der Ausbruch des    1. Weltkriegs und die folgende Besetzung Deutschlands durch die Siegermächte dem närrischen Treiben ein vorläufiges Ende.

Während bereits im Jahr 1919 die Kirmes in Mülhofen und andere Anlässe gefeiert werden, finden sich Hinweise auf karnevalistische Veranstaltungen erst wieder im Jahr 1922.
1925 findet eine Modernisierung statt, denn zum ersten Mal spielt zum Karnevalsabschluss eine Jazzband im Saal der Gaststätte Schneider.
Mit insgesamt 7 Maskenbällen örtlicher Vereine und Gastronomen erreicht das karnevalistische Treiben in Mülhofen 1927 einen neuen Höhepunkt.
Dieser Rekord wird bereits im folgenden Jahr 1928, in das auch die Eingemeindung von Mülhofen in die Stadt Bendorf fällt, mit 10 Maskenbällen übertroffen. Eine erstaunlich hohe Zahl für einen Ortsteil mit damals nur rd. 1.500 Einwohnern.
Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 und die folgende hohe Arbeitslosigkeit, treffen Bendorf und Mülhofen als Industriestandorte besonders hart (81 % der Bevölkerung gehören dem Arbeiterstand an). Zu erwähnen ist hierbei insbesondere die Schließung der Mülhofener Hütte im Jahr 1930. Diese Gründe führen dazu, dass die Zahl der karnevalistischen Veranstaltungen wieder deutlich nachlässt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 beginnt der Versuch auch den rheinischen Karneval zu infiltrieren und für nationalsozialistische Propaganda zu nutzen. Freie Meinungsäußerung wird gefährlich – auch und gerade für Karnevalisten, die so gerne einmal die Obrigkeit verspotten. Erstmals wird 1936 auch in Mülhofen ein Ehepaar wegen seines Widerstandes gegen das menschenverachtende Regime zu Zuchthaus verurteilt.
1937 nimmt ein Festwagen des Mülhofener Musikvereins „Eintracht“ unter dem Motto „Su en Bart“ am Engerser Rosenmontagszug teil und sorgt für besondere Heiterkeit.
Das Jahr 1938 ist ein Meilenstein in der Geschichte des Mülhofener Karnevals. Mit der Gründung des Möhnenvereins tritt eine Institution auf die karnevalistische Bühne, die auch heute noch den Karneval in Mülhofen entscheidend mitprägt. Schon in diesem Jahr veranstalten sie ihren ersten Schwerdonnerstag in der Gaststätte Rohre.

Karnevalswagen aus Mülhofen im Jahr 1939, der sich mit der Mülhofener Kirmes befasst.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs am 01.September 1939 findet das karnevalistische Treiben wieder ein jähes Ende.
Die fröhlichen Inserate, die Maskenbälle ankündigen, verschwinden und an ihrer Stelle finden sich Traueranzeigen gefallener Mülhofener Soldaten, von denen sicherlich so mancher zuvor aktiver Teilnehmer des Karnevals in Mülhofen war.
1945 endet die Berichterstattung der Bendorfer Zeitung, die erst seit dem Jahr 1949 wieder erscheinen darf.

Die schweren Nachkriegsjahre waren nicht nur von Hunger sondern auch von dem Verlangen nach Kultur und Unterhaltung als Seelentröster geprägt. Erste Aktivitäten zeigen sich bereits im Jahr 1947 als erste Mülhofener leicht kostümiert den Karneval wieder auf die Straße trugen, obwohl dies von den Besatzern nicht erlaubt war.

Das Jahr 1949 bringt nicht nur die Gründung der Bundesrepublik Deutschland sondern, viel wichtiger, auch die Wiedergründung des Möhnenvereins Mülhofen.

1950 finden wieder die ersten Maskenbälle in Mülhofen statt und der Möhnenverein führt am Karnevalsdienstag einen „Großen Geisterzug“ mit anschließender Beerdigung der „Fassenacht“ durch.
Doch nicht nur die Möhnen verstehen es Karneval zu feiern. In der Kolpingfamilie gibt es Überlegungen wieder Karneval stattfinden zu lassen. In Mülhofen mehren sich aber die Bestrebungen zur Gründung eines eigenen Karnevalsvereins.

Am 18.Juni 1950 ist es dann so weit:
In der Gaststätte „Geschwister Fasel “ wurde die offizielle Gründung der Karnevalsgesellschaft Mülhofen vollzogen.

Folgende Karnevalisten gelten als Gründungsmitglieder:

Barths, Hermann
Böckstiegel, Johann
Böckstiegel, Josef
Faber, Karl
Fasel, August
Hardt, Liesel
Kalb, Josef
Lehnert, Johann
Nalbach, Johann
Peters, Heinrich
Rüsch, Karl
Schäfer, Heinz
Schröder, Lorenz
Siebenmorgen, Peter
Wagner, Theo
Zichanowski, Hans
Zichanowski, Peter
Zils, Anna

Die Bendorfer Zeitung berichtet hierüber und schreibt den Vereinsnamen gleich falsch:

Schon am 11.11.1950 führt die neu gegründete Karnevalsgesellschaft den „Elften im Elften“ als erste Veranstaltung durch.
Im Jahr 1951 folgen die ersten Maskenbälle und die erste Kappensitzung unter dem Sitzungspräsidenten Johann Lehnert. Hier können die Mülhofener den Besuch des Engerser Prinzen entgegennehmen. Erfahrene Büttenredner und Sänger wie Theo Weiler, Jupp Böckstiegel, Theo Wagner und Karl Rüsch gestalteten das erste Programm.

In diesem Jahr fand auch erstmals der gemeinsame Rosenmontagszug für Engers und Mülhofen statt, an dem die KG Mülhofen bereits mit 6 Umzugswagen teilnahm.
Der Umzug führte aus Engers kommend über die Bendorfer Straße durch die ganze Hüttenstraße und dann über die Sayner Landstraße zurück nach Engers.
Dieser gutnachbarschaftliche Umzug sollte noch politische Folgen haben. Auf einer gemeinsamen Sitzung der Kreisauschüsse von Neuwied und Koblenz-Land (heute Mayen-Koblenz) wurde die Absicht vorgetragen Bendorf in den Landkreis Neuwied einzugliedern. Als schwerwiegendes Argument wurde der gemeinsame Rosenmontagszug von Engers und Mülhofen angeführt.
Das ihre Heimatliebe über die Ausrichtung karnevalistischer Veranstaltungen hinaus geht, bewiesen die Mülhofener Karnevalisten 1952 als sie neben ihren üblichen Veranstaltungen einen „Bunten Abend“ durchführten, dessen Erlös zur Mitfinanzierung der Errichtung des neuen katholischen Kindergartens verwendet wurde.

Welchen Stellenwert die Mülhofener Karnevalisten in kürzester Zeit errungen hatten, zeigt sich daran, dass Mülhofen bereits 3 Jahre nach der Vereinsgründung den gemeinsamen Prinzen für Engers und Mülhofen stellt.
Jakob und Mariechen Gräf sind das erste Müllowener Prinzenpaar und so verwundert es nicht, dass sich Prinz Jakob den Beinamen „Prinz Jakob der Allererste von Grafenstein“ gibt.
Da die Mülhofener den Prinzen stellen beginnt der Rosenmontagszug in diesem Jahr in Mülhofen, führt dann durch Engers und findet seinen Abschluss wiederum in Mülhofen.
1955 wird der unvergessene Peter Zichanowski erstmalig Sitzungspräsident der Karnevalsgesellschaft. 24 Jahre lang wird er, nur zweimal unterbrochen, die Kappensitzungen der KG lenken und ihnen seinen Stempel aufprägen.
Ebenfalls 1955 findet erstmals das später geradezu legendäre Wald- und Wiesenfest der KG auf dem Sayner Friedrichsberg statt. Auch heute noch kursieren in Mülhofen Anekdoten über diese außergewöhnlich schönen Feste. Der Erlös des ersten Festes wird für die Inneneinrichtung der neuerrichten katholischen Kirche in Mülhofen gespendet.
Große Neuerungen bringt dann das Jahr 1957. Erstmalig stellt die KG Mülhofen mit Dieter und Helga Trennheuser ein Prinzenpaar exklusiv für Mülhofen. Und mit großem Mut führt die Müllowener KG in diesem Jahr auch Ihren ersten eigenen Karnevalsumzug durch und kann damit direkt einen großen Erfolg verbuchen.
Schon damals fanden die Karnevalswagen der KG große Anerkennung. Ein Verdienst von Männern wie Hermann Knaus, Willi TrennheuserHeinz Schäfer, Werner Wüst und Rolf Skozilas, die unterstützt durch weitere fleißige Helfer großen Einfluss auf den Wagenbau in Mülhofen hatten.
Ein weiteres Novum – zum ersten Mal fahren die Mülhofener Karnevalisten samt Prinzenpaar nicht mehr im Engerser Rosenmontagszug, sondern in Bendorf mit.
Thresel Kuppler ist in diesem Jahr der ungekrönte Star der Kappensitzung.

Auch im Jahr 1957 schon ein schmucker Anblick, der Elferrat der KG Mülhofen.

1958 geben mit Willy Düyster und Klaus Einig zwei Büttenredner ihr Debüt in der Müllowener Bütt, die über viele Jahre Garant für hervorragende Darbietungen sein werden. Dieter Trennheuser wird der „Protokoller“ der KG.
1960 fertigen Lina Siebenmorgen und ihre Tochter Pia Schäfer ein neues Prinzenkostüm, dass ins Eigentum der KG übergeht und den kommenden Prinzen zur Verfügung steht.
Da sich die Mülhofener Kappensitzungen immer größerer Beliebtheit erfreuen und Schäfers Saal die Zuschauermassen bei einer einzigen Sitzung nicht mehr aufnehmen kann, finden seit 1962 jährlich zwei Kappensitzungen statt, wobei in der 1. Sitzung auch jeweils die Proklamation des Prinzen erfolgt.
Ebenfalls im Jahr 1962 brannte der Lagerschuppen der KG vollständig ab. Bühnenmaterial, Vorhänge, Dekorationen und Kostüme wurden ein Raub der Flammen.
Die Spendenfreude der Mülhofener sorgte dafür, dass Ersatz beschafft werden konnte. Dies bewog den Präsidenten und Vorsitzenden Peter Zichanowski in der Kappensitzung 1963 zu den Worten „Wenn es mit den Spenden so weiter geht, lassen wir es dieses Jahr wieder brennen. In diesem tritt erstmalig Ada Wüst als Büttenrednerin auf, die in der Folge viele Sitzungen mit ihren Beiträgen verschönerte.

1964 wechseln die Möhnen den Veranstaltungsort. Statt in der zu klein gewordenen Werkskantine (Menage) der Concordiahütte führen sie ihre Veranstaltungen nun ebenfalls in Schäfers Saal durch. Der erst vor Kurzem gegründete Quartettverein tritt erstmalig zum „Elften im Elften“ bei der KG auf.
1971 findet das Wald- und Wiesenfest immer größeren Anklang und kann an einem Tag 300 Besucher verzeichnen.
1972 erfolgt der erste Auftritt der legendären „Schulklasse“ zunächst noch unter dem Lehrer Karl Bertus, der jedoch in diesem Jahr verstirbt und dessen Nachfolge Dieter Trennheuser antritt. Zu dieser legendären Truppe gehören Büttenasse wie Hermann Donecker, Klaus Einig und Rudi Beck. Zum ersten Mal auf der Mülhofener Bühne ist in diesem Jahr der unvergessene Franz Dielentheis.

Ausgerichtet von der Jugendabteilung des Turnvereins findet 1974 erstmalig eine Kindersitzung in Mülhofen statt. Die späteren Büttenredner Rolf Kuppler und Rolf Trennheuser sammeln hier ihre erste Büttenerfahrung. Leider bleibt es bei einer einmaligen Veranstaltung.

Im Jahr 1975 feiert die KG ihr 25.-jähriges Jubiläum und begrüßt dazu bei der gleichzeitig stattfindenden Prinzenproklamation zahlreiche Gäste aus nah und fern und insbesondere alle vorherigen Prinzenpaare.
Star der kurz darauf folgenden Kappensitzung ist Margot Aller.

Auch das Jahr 1978 sieht zwei Debütanten, die in der Folge über viele Jahre die Kappensitzungen der KG mitprägen werden. Eva Wollinger und Rolf Kuppler liefern in diesem Jahr ihre ersten Büttenreden ab.

1980 geben mit Monika Brink und Erich Günther zwei ganz Große der KG Mülhofen ihren ersten Auftritt auf der Bühne. Erich, der in diesem Jahr noch in einer Gesangsgruppe auftritt wird später für viele Jahre in seine Leibrolle als „Doof Nuß“ schlüpfen. 9 große Wagen fahren in diesem Jahr im Umzug der KG mit.

Seit 1981 finden die Kappensitzungen der KG in der neuerrichteten Mehrzweckhalle an der Bodelschwinghschule statt. Der kurz zuvor verstorbene langjährige Präsident und Vorsitzende Peter Zichanowski wird von den Mitgliedern in der Jahreshaupt-versammlung posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

1982 übernimmt mit Peter Rietzler ein neuer Protokoller das Amt. Die Texte dieses wohl schwierigsten Vortrags stammen aus der Feder von Hermann Barths.

Rolf Trennheuser tritt zum ersten Mal als Sänger in der Nachwuchsschmiede von Franz Dielentheis auf. Später wird er neben zahlreichen anderen Vorträgen in weit mehr als 30 Jahren als Protokoller der KG Mülhofen agieren.

Auch im Jahr 1982 liegt die Geburtsstunde des Männerballet. Mehr als 40 Jahre lang werden die behaarten Grazien die Tanzböden in Mülhofen unsicher machen und mit mancher „Rakete“ belohnt. Sie sind es auch, die später für viele Jahre Herrensitzungen in Mülhofen organisieren.

1983 wird Mülhofen international. Nicht nur die Prinzessin, eine Verwandte des Prinzen Karl Schneider, sondern auch Hofmarschall, Mundschenk und Hofdamen kommen aus San Francisco/USA.

1984 erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister, die KG wird e.V. und im gleichen Jahr wird sie Mitglied des RKK.

1986 betritt mit Josef Keßler ein weiterer Büttenredner erstmals die Bühne, der über viele Jahre Spaß und Heiterkeit in der Müllowener Fassenacht verbreiten wird.

Im Jahr 1988 feiert der Schwesterverein, die Mülhofener Möhnen ihr 50.-jähriges Jubiläum.

Während des Karnevalsumzugs 1986 herrscht eine derartige Kälte, dass den Musikkapellen die Ventile der Blasinstrumente einfrieren und so mancher Zugteilnehmer muss den Umzug vorzeitig beenden.

Nachdem die seit den Karnevalsanfängen genutzten Räumlichkeiten der Firma Kann wegen Eigenbedarf nicht mehr zur Verfügung stehen, findet sich ein vorübergehendes Asyl in der Concordiahütte und bei der Firma Volkmann. Die KG beschließt den Bau einer eigenen Wagenbauhalle. Unterstützt wird das Projekt durch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung. Am 24. Juni 1989 erfolgt der 1. Spatenstich und schon am 29. August 1989 kann das Richtfest gefeiert werden. Die große Verantwortung als Bauleiter liegt auf den Schultern von Werner Wüst.

Am 20. Oktober 1990 wird die Wagenbauerhalle feierlich eingeweiht. Zur Erinnerung an das Gründungmitglied Johann Lehnert, ohne dessen finanzielle Unterstützung der Neubau wohl so nicht möglich gewesen wäre, trägt die Halle heute seinen Namen.

1991 löst Bernd Wollinger den Sitzungspräsidenten Hans-Otto Martini nach 6 Jahren im Amt ab.

Im gleichen Jahr kommt es wegen des 1. Golfkrieges zu Gewaltdrohungen gegen karnevalistische Veranstaltungen in ganz Deutschland. Bürgermeister Dieter Trennheuser entscheidet sich schweren Herzens dafür, dass aus Sicherheitsgründen keine karnevalistischen Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen stattfinden dürfen. Damit kommt der offizielle Karneval zum Erliegen.

Trotzdem trifft sich ein harter Kern von Karnevalisten am Karnevalssonntag in der Gaststätte Rohre und sie beschließen einen spontanen Umzug durchzuführen. Nachdem alle sich zu Hause in improvisierte Kostüme geworfen haben und mit einigen Musikinstrumenten ausgestattet, zieht der Umzug dann durch Mülhofen. Immer mehr Karnevalisten schließen sich an bis die Teilnehmerzahl etwa 100 Personen erreicht.

1992 holt das bereits für 1991 proklamierte Prinzenpaar Peter und Uschi Distelkamp seine wegen des Golfkrieges ausgefallene Kampagne nach.

Auf Initiative von Winfried Janßen findet seit 1993 die Kindersitzung der KG Mülhofen statt.

1999 übernimmt Rolf Trennheuser das Amt des Sitzungspräsidenten von Bernd Wollinger und übt es 21 Jahre in ununterbrochener Reihenfolge aus.

Im gleichen Jahr schließen sich auf Initiative von Bettina Reichert und Nicole Fischer die „Fanta 10“ zunächst als Tanzgruppe der Möhnen zusammen. 2013 wechseln sie dann zur Karnevalsgesellschaft Mülhofen und sind mit ihren faszinierenden Tänzen bis heute in jedem Jahr einer der Höhepunkte der Kappensitzung.

Im Jahr 2000 feiert die KG mit einem Festkommers ihr 50.-jähriges Bestehen.

In den Jahren 2002 und 2003 erfolgt eine Erweiterung der Wagenbauhalle durch die Errichtung eines Anbaus.

Im Jahr 2003 kommt es durch das Ausscheiden mehrerer Vorstandsmitglieder zu einer kleinen Krise im Vereinsleben. Grund ist mangelnde Unterstützung durch die Mitglieder. In der ersten Jahreshauptversammlung 2004 gelingt es nicht einen arbeitsfähigen Vorstand zu wählen. In einem zweiten Anlauf gelingt dann die Bildung eines personell abgespeckten Vorstands.

Seit 2006 verstärkt Nicole Fischer mit tollen Vorträgen die Riege der Büttenredner er KG.

2009 betreten Björn Kuppler und die viel zu früh durch einen tragischen Unfall verstorbene Jacqueline Bendel erstmals gemeinsam die Bühne. Ihre Auftritte, eine Mischung aus Vortrag, Tanz und Musik begeistern das Publikum.

Nachdem er bereits in der „kleinen“ Männergarde Mülhofen Bühnenluft geschnuppert hatte agiert Dominik Pretz, der spätere Vorsitzende der KG, im Jahr 2010 erstmalig als Büttenredner.

Seit dem Jahr 2012 bereichert Rudi Pretz mit Einzelvorträgen und in Gruppenauftritten das Programm unserer Kappensitzungen.

Mit Rhea Maria Fischer betritt 2019 ein neues Talent die Mülhofener Bühne.

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass der Karneval in den Jahren 2021 und 2022 ruhen muss. Alle Veranstaltungen müssen wegen der aktuellen Rechtslage und der hohen Infektionsgefahr ausfallen.

In den Jahren 2022 und 2023 wird das Tanzpaar der Möhnen Emma Bohn und Kevin Schneider, der auch in der KG Mülhofen aktiv ist, jeweils Deutsche Meister im Paartanz Senioren.

2024 zeigt die KG erneut, dass sie ein moderner und weltoffener Verein ist, in dem Toleranz und ein gedeihliches Miteinander groß geschrieben werden. Nach einem personellen Umbruch im Elferrat werden seit diesem Jahr erstmals auch Frauen in den Elferrat aufgenommen. Damit hebt sich der Elferrat positiv von vielen anderen Elferräten in der Region ab, die immer noch hart ihre letzte „Männerbastion“ verteidigen und nicht den Mut aufbringen endlich alte Zöpfe abzuschneiden. Derzeit gehören 5 Frauen dem Elferrat an.

2025 feiert die KG Mülhofen im Rahmen der Kappensitzung ihr 75.-jähriges Bestehen. Dabei wird das langjährige Bütten-As Ute Müller verabschiedet.

Die große Karnevalistin und langjährige Obermöhn Monika Brink erhält am Schwerdonnerstag im Kreise ihrer Möhnen als erstes Mitglied der Karnevalsgesellschaft den Verdienstorden des RKK in Gold mit Brillanten für ihre hervorragenden Verdienste um den rheinische Karneval.
Nachdem Rolf Skozilas über viele Jahre die Geschicke des Wagenbaus in Mülhofen leitete übergab er 2025 diese wichtige Aufgabe an Andreas Schneider. Das dies die richtige Wahl eines Nachfolgers war, zeigten die herrlichen Festwagen im Karnevalsumzug des folgenden Jahres.

Wagentaufe 2026

Dominik Knoll feiert beim Karnevalsauftakt im November 2025 seine erfolgreiche Premiere als Büttenredner und wiederholt diesen Erfolg bei der Kappensitzung 2026.
Bei der Kappensitzung 2026 verabschiedet sich das Tanzpaar Emma Bohn und Kevin Schneider mit einem letzten gemeinsamen Auftritt.
Rolf Kuppler wird mit dem Verdienstorden des RKK in Gold geehrt und Rolf Trennheuser erhält den Verdienstorden des RKK in Gold mit Brillanten für seine besonderen Verdienste um den rheinische Karneval.

Am 23. Mai 2026 lassen die Karnevalsgesellschaft und die Feuerwehr das frühere Parkfest im ehemaligen Feuerwehrpark wieder aufleben.

Viele Büttenredner und Gesangskünstler haben seit 1950 dazu beigetragen, dass die Müllowener Kappensitzungen erfolgreich waren und großen Anklang in der Mülhofener Bevölkerung aber auch bei vielen Gästen aus nah und fern fanden. Leider ist es nicht möglich in dieser Zusammenfassung alle Aktiven zu erwähnen. Stellvertretend seien Eva Wollinger, Hermann Barths, Erika und Norbert Eisenbach sowie Gaby Geitz, Gerd Dapper,Sabine Bendel, Michael Schneider, Dirk Weller und Stefan Wirges erwähnt.

Auch weitere Tanzgruppen der KG und der Möhnen wie die Crazy Girls, die Freixenets, die Möhnengarde, die Mo Dancers und die Mülhofener Strolche sollen hier stellvertretend Erwähnung finden. Gleiches gilt für dieTanzmariechen Alexandra Patzig und Jasmin Kantz.

Das die Mülhofener Sitzungen seit vielen Jahren so großen Erfolg beim Publikum haben, ist nicht zuletzt der Verdienst der Koordinatoren für das Büttenrednerwesen, die nicht nur den Büttenrednernachwuchs fördern sondern auch gemeinsam mit den Büttenrednern den Ablauf der Sitzung erstellen, für die Einspielung der Einmärsche und vieles mehr sorgen. Zu nennen sind hier Franz Dielentheis, Helmut Dielentheis, Ute Müller, Josef Keßler und Rudi Pretz.

Vergessen werden darf an dieser Stelle auch nicht Karin Bernardie, die  unter anderem über viele Jahre das Schminken der Büttenredner übernahm und mit der Bereitstellung von so manchem Assecoir aus ihrem Fundus auch die Kostümausstattung bereicherte.

Zum Schluss noch ein Überblick über die Polizisten, die Vorsitzenden, die Sitzungspräsidenten und die Prinzenpaare, die in den zurückliegenden 76 Jahren durch Ihren Einsatz wesentlichen Anteil an der Erhaltung des karnevalistischen Brauchtums haben.

Traditionsgemäß führte über viele Jahre der närrische Polizist den Umzug an und geleitete die Gäste in die Narhalla. In Mülhofen versahen dieses wichtige Amt:

Anton Lehnert
Peter Distelkamp
Heinrich Weingarten
Albert Wenig
Werner Schüller
Rainer Müller
Gerd Dapper
Hans Bichler
Peter Rietzler
Bernd Wollinger
Emil Bastians (mehr als 25 Jahre)

Ebenso Erwähnung finden sollen hier die langjährigen Moderatoren und Moderatorinnen der Kindersitzung:

Jockel Moskopp
Ralf Kuhnen
Björn Kuppler
Rhea Maria Fischer

Vorsitzende der KG Mülhofen:

Karl Faber     1950 – 51
Johann Nalbach      1952
Karl Faber     1953
Johann Nalbach      1954 – 56
Karl Rüsch   1957 – 59
Peter Zichanowski  1960 – 80
Erich Distelkamp     1981 – 82
Hans Otto Martini    1983 – 90
Bernd Wollinger       1991 – 2007
Rolf Trennheuser    2007 – 2014
Alexandra Dapper   2014 – 2018
Patric Stamm            2019 – 2020
Dominik Pretz           seit 2021

Sitzungspräsidenten der KG Mülhofen:

Johann Lehnert                             1951
Josef Böckstiegel                          1952
Theo Wagner                                 1953
Josef Böckstiegel                          1954
Peter Zichanowski                         1955 – 59
Johann Böckstiegel                        1960
Peter Zichanowski                          1961 – 71
Dieter Trennheuser                         1972
Peter Zichanowski                          1973 – 80
Bernd Wollinger                             1981
Erich Distelkamp                           1982 – 83
Hans Otto Martini                            1984 – 90
Bernd Wollinger                              1991 – 98
Rolf Trennheuser                            1999 – 2019
Patric Stamm                                  2020

Nachdem Corona in den Jahren 2021 und 2022 für den Ausfall aller karnevalistischen Veranstaltungen gesorgt hatte, endete vorläufig die Ära der Sitzungspräsidenten. Seit 2023 wechseln sich Björn Kuppler und Dominik Pretz in der Moderation unserer Veranstaltungen ab.

Prinzenpaare der KG Mülhofen:

1953             Jakob und Mariechen Gräf (gemeinsam mit Engers)
1957             Dieter und Helga Trennheuser (erstmals nur für Mülhofen)
1958             Johann Lehnert und Tochter Marlene
1959             Johann und Franziska Böckstiegel
1960             Peter und Fränzi Zichanowski
1961             Ludwig Hölz und Schwester Liesel (Zöller)
1962             Albert und Christine Wenig
1963             Manfred und Gretel Bruchmann
1964             Josef Kalb und Therese Kuppler
1965             Rudolf und Edeltrud Beck
1966             Manfred und Ritza Hein
1967             Hans und Luzie Leister
1970             Heinz und Pia Schäfer
1971 Paul Fürstenberg und Marianne Meurer
1973             Erich und Marga Distelkamp
1975             Werner und Ada Wüst
1977              Erwin und Inge Sasse
1978              Winfried und Karin Bernardi
1979              Willi und Veronika Kehl
1980              Horst Nies und Gabi Geitz
1981              Peter und Herta Schneider
1982              Hans Otto und Marlene Martini
1983              Karl Schneider und Margie Mac Vay
1984              Willi und Monika Brink
1985              Rolf Kuppler und Ursula Wüst
1986              Norbert und Ute Eisenbach
1987              Friedhelm Kohl und Angelika Weber
1989              Rolf und Ute Trennheuser
1990              Rolf und Eva Opp
1991/92         Peter und Uschi Distelkamp
1993              Heinz und Annemarie Kantz
1994              Heinz und Inge Schmalenbach
1995              Gerd und Marlies Dapper
1996              Peter und Eva Koll
1997              Horst und Brigitte Dziwior
2004              Jürgen und Ute Müller
2006              Heinz und Wilma Kantz
2009              Detlef und Margit Heck

2024 wurde dann zum ersten Mal ein Dreigestirn bestehend aus dem Prinzen Björn Kuppler, der Jungfrau Janik Bernardi und dem Bauern Andreas Schneider inthronisiert. Mögen Ihnen noch viele weiter Prinzenpaare und Dreigestirne folgen.